OCULUS GO: „AUF DIESE BRILLE HABEN VR-PRODUZENTEN SEHNSÜCHTIG GEWARTET“

Die neue VR-Brille von Facebook kann einiges, was ihre Vorgänger nicht können. Virtual-Reality-Experte und VRtual X-Gründer Tim B. Frank erklärt im Interview, was diese Brille ausmacht und warum sie ein neues Kapitel der VR-Geschichte aufschlägt.

 

Was ist die Oculus GO?
Die Oculus Go ist eine neue VR-Brille des, mittlerweile zu Facebook gehörenden, Unternehmens Oculus VR. Die Firma hatte in den vergangenen Jahren bereits die Oculus Rift und – gemeinsam mit Samsung – die Smartphone-basierte Brille Samsung Gear VR herausgebracht. Die Oculus Go ist nun das erste ernstzunehmende Stand-alone-Modell. Mit ihr macht die VR-Industrie einen beachtlichen Schritt nach vorne.
Was kann diese neue VR-Brille im Vergleich zu ihren Vorgängern?
Die Oculus Go braucht keine zusätzlichen Hilfsmittel. Bislang gibt es zwei verschiedene Arten von VR-Brillen: Es gibt VR-Brillen, die man an einen PC anschließt, wie zum Beispiel die HTC Vive oder die Oculus Rift, und es gibt es VR-Brillen, die in Verbindung mit einem Smartphone funktionieren, wie zum Beispiel die Samsung Gear VR. Erstere liefern hohe Bildqualität und hohe Flexibilität, sind aber etwas für fortgeschrittene User, da sie einiges an technischem Verständnis erfordern. Außerdem brauchen diese Brillen einen leistungsstarken PC, damit sie anständig laufen. Die Smartphone-Varianten sind zwar einfacher zu bedienen und sind mobil, haben aber was das Bild betrifft eine viel geringere Qualität. Die Oculus Go vereint die besten Eigenschaften dieser beiden Arten.
Welche Eigenschaften sind das?
Die Oculus Go ist sehr leicht zu bedienen und somit für Anfänger geeignet. Sie ist ein in sich geschlossenes System und muss mit keinem anderen Gerät verbunden werden. Man braucht dazu weder einen teuren Hochleistungs-PC noch ein Smartphone (ein Smartphone wird zwar benötigt, aber lediglich für die erste Einrichtung). Was die Brille aber unschlagbar macht ist der Preis: man bekommt sie schon für 219 Euro. Da kommt bislang kein anders Modell heran. Für eine HTC Vive Pro gibt man schon um die 1.000 Euro aus, dazu braucht man dann noch einen PC, der auch mindestens 1.000 Euro kostet. Die Smartphone-basierten Brillen sind günstiger zu haben. Eine Samsung Gear VR bekommt man schon unter 80 Euro. Man darf aber nicht vergessen, dass auch hier ein entsprechendes Samsung-Smartphone eingesetzt werden muss, das auch um die 700€ kostet.
Wie ist die Qualität des VR-Erlebnisses in der Oculus Go?
Die Bildqualität ist sehr hochwertig. Sie kommt absolut an jene der HTC Vive Pro heran. In der subjektiven Wahrnehmung ist sie meiner Meinung nach sogar besser. Das liegt auch daran, dass sie sich einfach besser anfühlt. Der Tragekomfort ist top. Sie ist leicht, man kann sich gut mit ihr bewegen und man hat keine lästigen Kabel die irgendwo herunterhängen. Auch die eingebauten Lautsprecher sind nicht zu unterschätzen. Obwohl diese nicht direkt auf den Ohren sitzen, fand ich den Sound sogar besser als bei der HTC Vive oder der Oculus Rift.
Was bedeutet die Oculus Go für VR-Produzenten?
Die Oculus Go ist das erste ernstzunehmende Stand-alone-Modell. Für die Industrie ist das ein Riesenschritt. Das hat aus meiner Sicht drei Gründe: Erstens wird durch dieses Modell die Produktion von Virtual-Reality-Hardware beflügelt. Brillenproduzenten werden sich in Zukunft an diesem Modell orientieren und es wird mehr einfach zu bedienende, günstige Brillen geben. Zweitens wird die Brille in der Öffentlichkeit stark wahrgenommen. Das liegt auch daran, dass Facebook ordentlich Werbung für die Brille macht. Drittens beflügelt diese Art von Brille auch die Produktionsseite. Wir VR-Produzenten haben sehnsüchtig auf eine Brille wie diese gewartet. Es wird eine Freude sein, Virtual Reality zu produzieren, mit dem Wissen, dass unser Publikum Zugang zu hochwertigen Geräten für einen erschwinglichen Preis hat. Das Argument „Virtual Reality ist viel zu kompliziert und nur etwas für Nerds“ wird bald nicht mehr gelten. Wir können nur so weit verbreiten, wie die Technik es ermöglicht. Es macht einen riesigen Unterschied ob ich einem Kunden sage „… und dann müssen Sie für 2.500€ ein VR-Set kaufen und der Aufbau dauert einen halbe Stunde“, oder „… für rund 250€ haben Sie immer eine VR-Brille dabei, die man nur einschalten und aufsetzen muss“.

Tim B. Frank ist Virtual-Reality-Experte und Mitbegründer von VRtual X. Mit interaktiven 360°-Fototouren und 360°-Videos sowie App-Entwicklung spezialisierte er sich früh auf immersive Medien und produzierte für namhafte Unternehmen wie Audi, Gruner+Jahr oder Deutsche Bahn. 2017 gründete er gemeinsam mit Matthias Wolk die Spezialagentur für immersive Medien VRtual X. Tim hält laufend Vorträge und leitet Workshops zum Thema immersive Medien für Einsteiger und Fortgeschrittene. 

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