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Glass Works – Recruitment und Firmenpräsentation in Virtual Reality

Wie gewinnt man Mitarbeiter und Auszubildende für einen Beruf, den keiner kennt und den man nicht leicht versteht? Genau diese Herausforderung hat SemiQuarz. Mit einer interaktiven Virtual-Reality-Anwendung und 360°-Videos geht das Unternehmen nun neue Wege im Recruitment.

Jeder hat schon mal diese runden Platten gesehen, aus denen Microchips hergestellt werden. Sie werden in Maschinen gebaut, die aus Quarzglas gefertigt werden. Nur eine gute Handvoll Firmen gibt es, die solche Anlagenbauteile aus Quarzglas herstellen. Eine davon ist SemiQuarz, die einen Standort bei Hamburg und einen bei München hat. Dort arbeiten neben Zerspanungsmechanikern die Glasapparatebauer – ein Beruf, der in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Und das ist ein Problem:

Man kann sich nicht auf etwas bewerben, das man nicht kennt

Ann-Dorothée Büsche, Geschäftsführerin bei SemiQuarz: „Der Fachkräftemangel ist auch für uns ein großes Problem. Aber die größte Herausforderung ist, dass kaum einer die Berufe kennt, die wir zur Ausbildung anbieten. Berufsanfänger und Quereinsteiger bewerben sich nicht bei uns, weil sie nicht wissen, dass es diese Berufe gibt. Und wenn sie zufällig darauf stoßen, stellen sie sich oft was falsches darunter vor.“

SemiQuarz geht auf Infoveranstaltungen in Schulen und auf Recruitmentmessen. Aber die jungen Menschen trauen sich oft nicht, die Erwachsenen anzusprechen. Sie gehen lieber zu den Ständen, bei denen sie aus der Ferne erkennen können, was sie dort erwartet. 

Ann-Dorothée Büsche, Geschäftsführerin bei SemiQuarz
Ann-Dorothée Büsche, Geschäftsführerin bei SemiQuarz

Und hier liegt für Ann-Dorothée Büsche der erste große Vorteil von der Virtual Reality: „Jugendliche sind Technik gegenüber oft aufgeschlossen und haben mit ‚digitalen Spielereien‘ weniger Berührungsangst als mit fremden Erwachsenen. Das ist ein riesiger Vorteil, um die Jugendlichen an den Messestand zu bekommen.“

Angelockt von den VR-Brillen machen die Besucher:innen direkt eine Reise in die Werkstätten von SemiQuarz und lernen die Firma, die Kollegen und den Beruf kennen. Nach einigen Minuten VR-Experience können Frau Büsche und ihr Team nun mit den Jugendlichen direkt über Praktika, Ausbildung oder Festanstellung sprechen.

Job in der VR-Simulation ausprobieren

In der Glass Works Virtual-Reality-App gibt es zwei Job-Simulatoren:

Der erste ist zum Thema „Heißbearbeitung.“ Dabei wird das Glasschweißen simuliert. Man kann diesen Bereich einzeln oder zu zweit machen. Als erstes bringt man die Bauteile in die richtige Position. Dann legt man die Schutzausrüstung an (in diesem Falle eine Schweißerbrille). Als nächstes kann man mit einem Gasbrenner und einem Glasstab den eigentlichen Schweißvorgang vornehmen. Ein kleines Display zeigt, wie exakt man die Arbeit ausführt. Am Ende gibt es eine Gesamtauswertung über die Qualität der Schweißnaht.

Diese Simulation hat mehrere Vorteile: (1.) Die Interessenten können selbst einmal Hand anlegen und bekommen ein Gefühl dafür, was es bedeutet, einen fauchenden Gasbrenner in der Hand zu führen und damit Millimeterarbeit zu machen. (2.) Außerdem haben wir diese Anwendung so realistisch gestaltet, dass es auf Feinmotorik ankommt. Es ist also gleichzeitig eine Geschicklichkeits- und Geduldsübung. Damit wird getestet, ob der Job zu einem passt, oder eher nicht. Wer schon in der VR-Anwendung wenig Geduld beweist, für den ist der Beruf tendenziell auch nicht der richtige. Aber einige entdecken auch erst beim Doing ihr Talent, von dem er/sie vorher nichts wussten. Die Simulation hilft also schon beim Vorsortieren unter den Interessenten.

Abläufe verstehen und trainieren

Ein zweiter Jobsimulator befasst sich mit der „Zerspanungstechnik.“ In diesem Bereich wird die Arbeit mit großen Fräsmaschinen trainiert. Einschalten, Material laden, programmieren und Nachkontrolle. In diesem Simulator ist der gesamte Ablauf natürlich stark vereinfacht, weil man auf einer Messe nicht die Zeit hat, um den gesamten Prozess abzubilden. Auch ein detailgetreuer Ablauf des Berufs wäre im Bereich Onboarding und Training möglich und könnte jederzeit nachgerüstet werden. Im Recruitment liegt der Fokus darauf, in kurzer Zeit viele Informationen und vor allem ein Bauchgefühl für die Arbeit zu vermitteln. Die Benutzer:innen sollen einen Eindruck davon bekommen, worum es bei der Tätigkeit geht und sollen diesen Eindruck vor allem auch mit nach Hause nehmen.

Das Unternehmen besuchen - mit 360°-Videos

Die oben beschriebenen Simulationen sind hoch interaktiv. Das hilft dabei, komplizierte Abläufe zu erklären, einmal selbst auszuprobieren und ein „Muskelgedächtnis“ zu erzeugen (man erinnert sich zu Hause besser an die Dinge, die man mit ganzem Körpereinsatz ausprobiert hat, als an solche, über die man nur gesprochen hat). 

Aber SemiQuarz kann nicht nur mit interessanten Berufsbildern punkten, sondern auch mit modernen Arbeitsplätzen und einem tollen Team. Wie kann man das aber kennenlernen? Am besten mit einem Besuch vor Ort. Aber weil das aufwändig und für ein erstes Kennenlernen nicht praktikabel ist, hat SemiQuarz vier 360°-Videos produzieren lassen, in denen das Unternehmen sich vorstellt und man Interviews mit Azubis, Fachkräften und Quereinsteigern sehen kann, in denen sie ihre Arbeit präsentieren.

Was bringt die Virtual-Realiy-360°-App?

„Die VR-Brillen helfen uns, einfacher mit den jungen Menschen in Kontakt zu treten. Dadurch haben wir viel mehr konkrete Gespräche als vorher“ berichtet Büsche. „Außerdem beschäftigen sich die Interessenten in kurzer Zeit sehr intensiv mit unserem Unternehmen, wodurch wir viel präzisere Gespräche führen können.“ 

Allerdings hat sich in der Benutzung auch herausgestellt, dass die Anwendung in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche benutzt werden muss: Auf Messen und Infoständen sind die 360°-Videos ideal, weil sich die Besucher:innen nicht mit der Steuerung der App beschäftigen müssen und in wenigen Minuten einen guten Eindruck von der Firma und den Berufsbildern bekommen. Das genügt, um das Interesse an dem Unternehmen und dem Berufsbild zu wecken.

Die Jobsimulatoren eignen sich dagegen in Situationen, in denen man etwas mehr Zeit mit den Interessierten hat. Wer sich ernsthaft für eine Ausbildung oder einen Jobwechsel zu SemiQuarz interessiert, kann sein Talent unter Beweis stellen, was gleichzeitig ein erster kleiner Einstellungstest ist. Hier kommt auch die Multiplayer-Funktion zur Geltung, weil sich die SemiQuarz-Fachkollegen dazu schalten können. Die müssen den Betrieb nicht verlassen, sondern setzen sich einfach eine VR-Brille auf und treffen sich im virtuellen Jobsimulator mit den Interessenten, die vielleicht 800 km entfernt sind. So kann man sich vertraulich über den Beruf unterhalten, gemeinsam „ein bisschen zusammenarbeiten“ und dabei das Zwischenmenschliche erproben. 

 

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